Eine Wahl bedeutet immer auch viele Fragen … Fragen wie: „Warum soll ich eigentlich wählen?“ „Wen soll ich wählen?“ „Warum soll ich mich engagieren?“ „Was sind die Aufgaben einer Vertreterversammlung?“
Um Ihnen diese Fragen zu beantworten und die „Scheu“ vor einer Kandidatur zu nehmen, hat der Wahlvorstand zwei Mitglieder von Vertreterversammlung und Verwaltungsausschuss gefragt: „Warum tun Sie sich das an?!“
Thomas Greier, angestellter Architekt aus der Kammer Mecklenburg-Vorpommern und Kai-Thomas Linse, Freier Architekt aus dem Kammerbezirk Thüringen haben geantwortet.
Wie lange sind Sie schon im Gremium ehrenamtlich tätig und in welchem?
T. Greier: „Im Verwaltungsausschuss des Versorgungswerkes bin ich seit 2016. In der Vertreterversammlung bin ich als gewählter Vertreter der Architektenkammer Mecklenburg-Vorpommern seit 2021.“
K.-T. Linse: „Ich bin in der Vertreterversammlung des Versorgungswerkes seit 15.08.2016 gewähltes Mitglied, somit derzeit in meiner 2. Legislaturperiode. Am 15. September 2021 stellte ich mich in der konstituierenden Sitzung der Vertreterversammlung zur 7. Wahlperiode des Versorgungswerks der AK Sachsen zur Wahl für den Verwaltungsausschuss und wurde gewählt. Seitdem arbeite ich im Gremium vom Verwaltungsausschuss.“
Was war Ihre Motivation, sich damals als Kandidat aufstellen zu lassen?
K.-T. Linse: „Meine Motivation lag ursprünglich in der Verärgerung über die Pflichtmitgliedschaft beim Eintritt in die Kammer und die damit verbundenen hohen Kosten. Diese bedeuten für Berufsneulinge vor allem in Zeiten anhaltend schwacher Konjunktur ein echtes Problem. Meine Fachaufsichtsbeschwerde beim Sächsischen Innenministerium führte mich letztlich näher an die Geschäftsstelle und von dort wurde mir offeriert, meine Energie doch besser konstruktiv bei der Gestaltung des Versorgungswerks einzubringen als dagegen zu arbeiten. Das war mehr als plausibel für mich und so stellte ich mich zur Wahl, erst für die Vertreterversammlung und 5 Jahre später für den Verwaltungsausschuss. Ich bin nach wie vor sehr froh über diesen Entschluss.“
Wie war Ihr Weg zum Kandidaten? Wollten Sie von selbst aktiv werden oder wurden Sie von einem Unterstützer angesprochen?
T. Greier: „Vor 10 Jahren konnte ich mich aus familiären Gründen in der Kammergruppe Mecklenburgische Seenplatte nicht in dem Umfang wie die anderen Kollegen engagieren. Mit der Aufstellung zur Wahl wollte ich meinen Beitrag leisten. Als Mitglied des Verwaltungsausschusses hat sich eine bereichernde und vielschichtige Tätigkeit ergeben, die neben dem spannenden Wissenszuwachs auch den kollegialen Austausch mit Kollegen der anderen Architektenkammern ermöglicht. Der Neubrandenburger Kollege Ullrich Schmidt hat mir bei einem Treffen der Kammergruppe Mecklenburgische Seenplatte von seiner Tätigkeit im Verwaltungsausschuss erzählt. Ich fand die Möglichkeit sehr interessant, sich aktiv in einem Gremium für die Altersversorgung zu engagieren. Bis dahin hatte ich bis auf die jährlichen Anwartschaftsmitteilungen wenig Vorstellungen von der Arbeit des Versorgungswerkes und der Gremien.“
Welche Ziele verfolgten Sie bei der letzten Wahl und wurde diese auch wirklich realisiert?
K.-T. Linse: „Meine Ziele waren ganz einfach das Versorgungswerk besser – oder überhaupt – zu verstehen. Als junger Mensch macht man sich wenige Gedanken über seine Sicherheit im Alter. Das monatliche Zahlen von Beiträgen in eine Rentenkasse kommt einem unangemessen und verfrüht vor. Das Rentenalter ist doch bis zum Eintritt immer so weit weg.“
Herr Greier hatte sich in erster Linie vorgenommen, die Anpassung des Verrentungssystems dahingehend zu begleiten, dass eine einfache und für alle Altersgruppen ausgewogene Lösung gefunden wird. „Die Anpassung des Verrentungssystems im letzten Jahr war ein sehr interessanter Prozess mit umfangreichen Abstimmungen und Abwägungen. Am Ende ist von den Versicherungsmathematikern eine recht schlichte Formel entwickelt worden, die das Bestehende bewahrt und gleichzeitig die notwendige Flexibilität ermöglicht und auch all meine Zielstellungen erfüllt.“
Hatten Sie, als angestellter Architekt Probleme mit Ihrem Arbeitgeber bei der Ausübung des Ehrenamtes?
T. Greier: „Mein Dienstherr unterstützt ehrenamtliche Tätigkeiten und ich werde für die Zeit des Ehrenamtes freigestellt. Aufgrund der regelmäßigen und langfristig geplanten Sitzungstermine konnte ich die ehrenamtliche Tätigkeit gut in den Arbeitsalltag integrieren.“
Wie hoch ist der zeitliche Aufwand der ehrenamtlichen Tätigkeit?
K.-T. Linse: „Für die Mitgliedschaft in der Vertreterversammlung sind das mit Vorbereitung, Nachbereitung und der jährlich 1 x stattfindenden Vertreterversammlung vielleicht 25 Stunden aufs Jahr. Das ist gering. Die Mitgliedschaft im Verwaltungsausschuss erfordert mehr Engagement. Wir treffen uns etwa 6 x im Jahr zu einer eintägigen Sitzung, dazu kommt 1 x im Jahr eine 2-tägige Klausur und noch das ein oder andere Seminar. Das hängt von den anstehenden Aufgaben ab. Mit Kommunikation und selbständiger Beschäftigung, Vorbereitung, Nachbereitung denke ich, dass ich wohl 200 Stunden im Jahr dafür aufwende. Da die Aufgaben verantwortungsvoll, aber auch vielfältig sind und oft ganz anders gelagert, als die täglich Architektentätigkeit, stellen diese Stunden keine Belastung dar, eher eine Bereicherung.“
Mit welchen Themen mussten Sie sich in der letzten Legislaturperiode auseinandersetzten und welche waren für Sie besonders bedeutungsvoll?
K.-T. Linse: „Erst einmal hatte ich lange nur zugehört, denn außer, dass das Versorgungswerk unsere Renten absichert, wusste ich anfänglich nicht viel. Versicherungsmathematik, Geldanlage, organisatorischer Aufbau ... alles Dinge, mit denen ich bis zur Wahl kaum Berührungspunkte hatte. Und dann wurden zu diesen Themen direkt wichtige Entscheidungen getroffen. Da war schnelle Auffassungsgabe gefragt ... Dahingehend beschäftigte ich mich intensiv mit der Funktion unseres Gremiums, denn das Versorgungswerk ist weder eine öffentliche Verwaltung, noch ein wirtschaftliches Unternehmen. Das Versorgungswerk ist in seiner Struktur sehr ungewöhnlich. Der Verwaltungsausschuss ist die Leitung, die aus der ehrenamtlich tätigen Vertreterversammlung hervorgeht. Ihm obliegt eine hohe Verantwortung, denn er ist letztlich für das Gelingen der Versorgung aller Mitglieder entscheidend.“
Haben Sie vor Ihrer Kandidatur gewusst, worauf Sie sich einlassen und wurden Sie ausreichend unter-stützt? Haben Sie Schulungen zu den behandelten Themen bekommen?
K.-T. Linse: „So ernst wie der Verwaltungsausschuss seine Arbeit wahrnimmt, so umfangreich und zielführend ist die Vorbereitung seiner Tätigkeit seitens der Geschäftsstelle. Das beginnt bei Unterlagen, die zur Verfügung gestellt werden, Schulungen deren Teilnahme vorbereitet wird, bis hin zur Hotelübernachtung bei mehrtägigen Anlässen. Die Arbeit des Verwaltungsausschusses wird von der Geschäftsstelle in allen Belangen unterstützt.“
„Ja, das Versorgungswerk hat Fortbildungen der ABV angeboten. Bei den Schulungen wurde das Grundwissen vermittelt, um einen Einblick in die doch recht artfremde Welt der Investments zu bekommen und die Arbeit der Versorgungswerke verstehen zu können.“, so Herr Greier.
Mal ganz ehrlich: Hatten Sie auch Spaß bei der Gremienarbeit?
K.-T. Linse: „Besonders anregend finde ich die 2-tägigen Klausuren an wechselnden Orten der angeschlossenen Bundesländer. In den Klausuren entsteht ein intensiver Austausch über Strategie und Ausrichtung des Versorgungswerks, der gern auch mal in den Abend reicht. Das geschieht an interessanten Orten, deren Besuch meist mit kulturellen Einblicken verbunden ist und auch dadurch bereichert.“
T. Greier: „Ich habe große Freude an den beratenden Experten, die das Gremium bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Sie vermögen es, schwierige Sachverhalte sehr interessant zu vermitteln. Die Sitzungen werden von der Geschäftsstelle und dem Vorsitz des Verwaltungsausschusses sehr akribisch und strukturiert vorbereitet, was ich sehr schätze.“
Und zu guter Letzt: Wie lautet Ihr persönliches Resümee und was können Sie den Kandidaten für die diesjährige Wahl mit auf den Weg geben?
T. Greier: „Wenn Sie sich für die Entwicklung des Versorgungswerkes interessieren, sollten Sie unbedingt kandidieren. Sie brauchen keine Befürchtungen haben, dass Sie nicht über das notwendige Fachwissen verfügen – Interesse und Bereitschaft, sich schwerpunktmäßig mit Finanzthemen zu beschäftigen, genügen. Das notwendige Fachwissen für die Tätigkeit im Gremium wird über umfassende Schulungen vermittelt. Neben den zu treffenden Entscheidungen sind es die Kontakte und der Austausch mit den Kollegen, die die Tätigkeit abwechslungsreich und interessant machen.“
K.-T. Linse: „Ich würde gern eine Zeitgrenze zu den Legislaturperioden vorsehen. Denn es herrscht nach wie vor viel Unkenntnis unter unseren Teilnehmern über so ziemlich alles, was das Versorgungswerk betrifft. Die Ausübung eines Ehrenamts im Versorgungswerk macht das Wissen breiter und wirkt letztlich auf eine positive Wahrnehmung. Wenn ich nachdenke, wie ich in dieses Ehrenamt gekommen bin und wie ich jetzt nach 2 Legislaturen in der Vertreterversammlung und einer im Verwaltungsausschuss das Versorgungswerk sehe und darüber rede, bin ich ein gutes Beispiel dafür, wie empfehlenswert das Anstreben eines Ehrenamtes im Versorgungswerk ist."
Empfehlen würde ich ein großes Maß an Neugier. Die Einblicke in der Vertreterversammlung sind überraschend, die Mitarbeit im Verwaltungsausschuss konfrontiert einen mit Gestaltungsräumen, die in unserer täglichen Arbeit als Architekten kaum vorkommen. Ich bin noch von keiner Sitzung mit Gedanken von vertaner Zeit nach Hause gekommen. Auch wenn man im eigenen Arbeitsumfeld stark eingebunden sein sollte, durch die Mitarbeit im Verwaltungsausschuss wird die Eigenverantwortung gestärkt. Die Arbeit gibt einem das gute Gefühl, mit dem Engagement für den Berufsstand zur Nachhaltigkeit über die Generationen hinweg beizutragen.“
Viele Fragen – ehrliche Antworten. Vielen Dank dafür.
Zum jetzigen Zeitpunkt steht die Kandidatensuche im Fokus. Wir hoffen auf Bereitschaft von mindestens 30 Kandidaten aus unseren vier angegliederten Kammern. Die Wählerverzeichnisse liegen in den Kammern und beim Versorgungswerk aus. Außerdem sind sie für alle auf unserer Website unter https://www.vwaks.de/wahl in den geschützten Bereichen der jeweiligen Kammer einsehbar. Die Zugangs-daten und alle relevanten Informationen zur Wahl finden Sie in den Wahlinformationen, die nun jeder Wähler zugestellt bekommen hat.
Alle offen gebliebenen Fragen beantworten wir Ihnen gern unter 0351 318 240.
Stellen Sie sich zur Wahl der Vertreterversammlung! Bewerben Sie sich jetzt und gestalten Sie die Zukunft Ihres Versorgungswerks aktiv mit!